Tradition

"Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche"
Gustav Mahler

Anton Braun
Instrumentenbau seit 1896

 
   Firma Anton Braun
ca.1912

Die Werkstätte „Anton Braun“ wurde 1896 von dem Geigenbauer Anton Braun (1877–1927) im damals österreichisch-ungarischen Temesvár gegründet. Das Handwerk hatte er zuvor bei seinem 17 Jahre älteren Bruder Johann Braun (1860-1922) in Szeged erlernt.
Anton Braun hatte zwei Söhne: Der Erstgeborene,
Johann Bruno Braun (1905–1968), erlernte das Geigenbauerhandwerk beim Vater. Nach der Geburt des zweiten Sohnes, Anton Michael Braun (1911–1978), entschieden die Eltern, den Betrieb um weitere Instrumentengruppen zu erweitern, um auch dem Zweitgeborenen eine sichere Zukunft im Unternehmen zu bieten. Zu diesem Zweck vergrößerten sie die Geigenbauwerkstatt um Geschäftsräume und eröffneten ein Musikgeschäft. Dieses bot neben dem Handel mit Blasinstrumenten auch die passende Wartung und Reparatur in der hauseigenen Werkstatt an.

Sohn A.M.Braun
 1926
Das Handwerk des Blasinstrumentenmachers erlernte Anton Michael ebenfalls im Familienbetrieb. Nach seiner erfolgreichen Gesellenprüfung im Jahr 1928 bildete er sich im tschechoslowakischen Graslitz weiter, wo er bei der Firma Willnauer & Co. "Fabrikation von Blechblasinstrumenten" sechs Monate lang sein Wissen im Bau von Blech- und Holzblasinstrumenten vertiefte.
Als er im selben Jahr von dieser Reise zurückkehrte – der Vater war bereits im Vorjahr verstorben –, übernahm er die Blasinstrumentensparte der heimischen Werkstatt, während sein älterer Bruder Johann Bruno die Leitung des Geigenbaus fortführte.
Um den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen, übernahm Anton Michael Vertretungen für zahlreiche führende Hersteller und modernisierte die Werkstatträume so komplett und umfassend, dass jede Art von Service für diese Instrumente möglich war. Das Unternehmen wuchs in den 30er und 40er-Jahren dynamisch, wurde um mehrere Geschäftsfilialen erweitert und der Einzelhandel um den Großhandel ergänzt. Zeitweise wurden bis zu 40 Mitarbeiter beschäftigt: 20 bis 25 in der Werkstatt und 15 in den Geschäftsbereichen. Da er selbst leidenschaftlich und sehr erfolgreich Saxofon spielte – unter anderem half er auch in professionellen Orchestern aus –, lag es für ihn nahe, die Werkstatt auch um den Bau eigener Saxofone zu erweitern.
 1941
1941 kam Anton Michael Brauns Sohn,
Anton Johannes Braun, zur Welt.
Nur drei Jahre später, im Jahr 1944, beschlagnahmten sowjetische Truppen im Zuge des Zweiten Weltkriegs den gesamten Lagerbestand und die Geschäfte.
Trotz dieses schweren Rückschlags wagte Anton Michael gemeinsam mit seinem älteren Bruder den Neubeginn: Sie bauten einen kleinen (mit 2 Angestellte) Handwerksbetrieb auf, der sich auf die Reparatur und Neubau von Blas- und Streichinstrumenten spezialisierte.
1956: Nach dem Ende seiner Schulzeit arbeitete auch der junge Anton J. Braun tagsüber in diesem elterlichen Betrieb, während er abends das Abendgymnasium besuchte, um die allgemeine Hochschulreife zu erlangen.
Als 1958 private Handwerksbetriebe verboten wurden, wechselte 1959 Anton Michael Braun zusammen mit seinem Sohn und zwei Mitarbeitern in die staatliche Fabrik „Victoria“, um dort eine Saxofonabteilung aufzubauen. In dieser Sparte war Anton J. Braun fortan als Instrumentenkonstrukteur Facharbeiter tätig. Die Abteilung wuchs rasant: Aus den anfänglich vier Mitarbeitern wurden innerhalb weniger Monate rund 50, nach einigen Jahren sogar 70 Mitarbeitern. Die Saxofone wurden in den Westen und die damalige Sowjetunion exportiert.
  A.M.Braun & A.J.Braun
  1961
Nach dem Abitur absolvierte Anton J. Braun parallel zu seiner Arbeit ein sechsjähriges berufsbegleitendes Studium der Elektromechanik, das er erfolgreich mit dem Staatsexamen abschloss. Noch während dieser Studienzeit erlangte er zudem den Meistertitel in seinem Handwerk als Instrumentenkonstrukteur.
Als sein Vater Anton Michael Braun 1973 in den Ruhestand ging, übernahm Anton J. Braun schließlich die Betriebsleitung.
Im Jahr 1977 übersiedelte er nach Egelsbach in Deutschland, wo er 1980 in Frankfurt am Main ein kleines Musikgeschäft mit angeschlossener Werkstatt eröffnete. Parallel dazu begann er mit dem Aufbau der heutigen Werkstätte für Flötenbau.

Flötenbau seit 1984

1984 bekam er seinen ersten Auftrag im Flötenbau von dem Flötisten Michael Hasel, der zu diesem Zeitpunkt neu in die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan aufgenommen worden war. Michael Hasels Wunsch war ein Piccolo für höchste orchestrale Ansprüche, das in Stimmung und Klangqualität dem musikalischen Stil dieses Orchesters entsprach.

Michael Hasel & Rolf Bissinger
 2010
Schon kurze Zeit nach dem erfolgreichen Bau dieses patentierten Piccolos 1985 folgten so viele weitere Aufträge für dieses Modell, dass er sein Geschäft und Werkstette in Frankfurt schließen musste und sich ganz dem Flötenbau widmete.
In Zusammenarbeit mit Rolf Bissinger (Mitglied der Städtischen Oper Frankfurt/Main) und Michael Hasel (Mitglied der Berliner Philharmoniker und des Philharmonischen Bläserquintetts Berlin) entstanden in den Folgejahren weitere Instrumente:
Seit 1998 ist Anton J. Brauns Tochter Eva-Marie Simon (geb. Braun) im väterlichen Betrieb tätig. Schritt für Schritt hat sie sich in das über Generationen weitergegebene und stetig verfeinerte Familienwissen eingearbeitet. Damit sichert sie auch in der vierten Generation den Fortbestand und den hohen Qualitätsanspruch des Unternehmens.
A.J.Braun und A.E.Braun 2001
Eva-Marie Braun & Anton Braun
1998
Beruflich absolvierte sie erfolgreich die „Fachschule für Musikinstrumentenbau“ in Ludwigsburg Holzblasinstrumentenmacherin. Daneben blickt sie auf eine vielseitige musikalische Praxis zurück: Auf erste Grundlagen am Klavier während ihrer Grundschulzeit folgte mit etwa 20 Jahren die Querflöte. Von 1999 bis 2007 widmete sie sich parallel dem Gesangsunterricht und dem Chorgesang. Es folgten Stationen im Jugendchor des Hessischen Rundfunks, im Figuralchor und in der Singakademie, mit denen sie auch in der Alten Oper Frankfurt auftrat. Das gemeinsame Singen im Chor war ihr immer ein wichtiges Anliegen, ganz im Sinne von Robert Schumanns Leitspruch: „Singe fleißig im Chor mit (…). Dies macht dich musikalisch.“


Seit 2015 arbeitet ihr Ehemann Dipl.-Geol. Ludwig Simon (Feinmechanik & Materialtechnologie) an ihrer Seite und bereichert das traditionelle Handwerk um eine weitere wissenschaftliche Komponente.
Eingeführt in die Feinheiten des Flötenbaus durch seinen Schwiegervater, übt er das Handwerk heute zusammen mit seiner Frau aus und verknüpft dieses Fundament mit seinen eigenen familiären Wurzeln in der Feinmechanik.

Im Jahr 2026, nach 25 Jahren ihrer aktiven Mitarbeit, übergab Anton J. Braun die Führung des Betriebs an seine Tochter Eva-Marie Simon.

Sie und ihr Ehemann führen beide den Familienbetrieb in die nächste Generation und tragen das Feuer der Tradition weiter.


 Ludwig Simon & Anton Braun
  2026
 Eva-Marie Simon
  2026
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Die Werkstatt A. Braun links neben dem Wohnhaus in
Egelsbach, In den Obergärten 22
 
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Stammbaum


Geigenbau in Österreich-Ungarn
" Wo die Geige eine so bedeutende Rolle spielt, darf man voraussetzen, daß es da nicht nur Künstler gibt und gegeben hat, die das köstliche Instrument zu spielen wissen, sondern auch solche, die es zu bauen verstehen."
Dr.Gunther Joppig M.A. / Leiter des Musikinstrumentenmuseums im Münchner Stadtmuseum.
 ( aus Vorwort Peter Benedek "UNGARISCHER GEIGENBAU"
)

Anton Braun (Senior)
 Tischler
( 1832 - 1904 )
Mako / Österreich-Ungarn
Anton Braun
 Geigenbauer
( 1877 - 1927 )
Firmengründer in Temesvár
1896
 Michael (Mihály) Braun
 Geigenbauer
( 1870 - 1942 )
Kolozsvár / Österreich-Ungarn
 
Johann (János) Braun
 Geigenbauer
( 1860 - 1922 )
Szeged / Österreich-Ungarn
 
Preis-Medaillen von Gewerbe Ausstellungen
Anton Michael Braun
 Blasinstrumentenmacher
( 1911 - 1978 )
Temesvár / Österreich-Ungarn
 Johann Bruno Braun
 Geigenbauer
( 1905 - 1968 )
Temesvár / Österreich-Ungarn
 
Dipl.-Ing./R.  Anton J. Braun
 Maschinenbau
und
Instrument Konstrukteur
(* 1941 )
Timisoara / Rumänien
seit 1977 in Deutschland

LITERATUR
Peter Benedek "UNGARISCHER GEIGENBAU"
Dokumentation der in 1995 im Münchener Staatsmuseum
ausgestellten Instrumente der weltweit bekanntesten und
wichtigsten ungarischen Geigenbauer.      ISBN-13 : ‏ 978-3981719123
Lyndesay G.Langwill "AN INDEX OF MUSICAL WIND-INSTRUMENT MAKERS" Fifth Edition 1977
Auguste Bosc "MUSIQUE ADRESSES UNIVERSEL" Paris   10 Édition 1928
Eva-Marie A. Simon
 Holzblasinstrumentenmacherin
(* 1980 )
Egelsbach / Deutschland
Dipl.-Geol. Ludwig Simon
Feinmechanik & Materialtechnologie
(* 1981 )
Budapest / Ungarn

 
Sohn & Tochter

 
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     Anton M. Braun  ts.& cl.- 1935

       Anton J. Braun  as.& cl. - 1964
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